Samstag, 7. November 2015

Gesa Schwartz im Interview



-Magst du Dich mal kurz vorstellen? 
Mein Name ist Gesa Schwartz, ich habe Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert und lebe in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen. Ich bin Schriftstellerin und unter anderem für die Reihen „Grim“ und „Chroniken der Schattenwelt“ verantwortlich. Meine neueste Geschichte ist „Nacht ohne Sterne“ – mein allererstes Jugendbuch, das am 28. September im cbt-Verlag erscheinen wird.

- Wie ist es dazu gekommen das Du mit dem Schreiben angefangen hast?
Seit ich denken kann, bin ich Geschichtenerzählerin, und sobald ich dazu in der Lage war, habe ich meine Geschichten aufgeschrieben. Das Schreiben war und ist ein elementarer Teil von mir, eine Lebensnotwendigkeit, ohne die ich mir mein Dasein nicht vorstellen möchte. Dennoch war der Weg zu meinen Geschichten für mich nicht immer leicht. Ausführlich habe ich dazu etwas auf meiner Homepage geschrieben: gesa-schwartz.de

- Hast Du rituale beim Schreiben?
Eines liebe ich beinahe genauso sehr wie das Schreiben, und das ist das Reisen. Ich recherchiere sehr gründlich für meine Geschichten, die ja meist die phantastischen Facetten unserer Welt beleuchten, und daher habe ich mir früh abgewöhnt, Rituale zu brauchen. Es lebt sich doch viel entspannter, wenn man in einem überfüllten Zugabteil ebenso in seine eigene Welt abtauchen kann wie in einem zugigen Zelt vor den Toren Roms.

- Wenn Du eine Traurige, Witzige oder spannende Szene schreibst, fühlst du dann mit?
Wenn ich schreibe, tauche ich in meine Geschichten ein und erlebe sie aus dem Inneren der Figuren heraus. Insofern bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mitzufühlen. ;)

- Wenn Du einen neuen Charakter entstehen lässt, orientierst du Dich dann an Personen in deinem Umfeld?
Nein, je besser ich jemanden kenne, desto schwieriger wird es, etwas von ihm zu verwenden. Allerdings habe ich mich schon oft von Fremden inspirieren lassen.
- Hast du auch noch andere Namen unter den Du schreibst?
Nein, bisher nicht.

- Welcher Ort inspiriert Dich am meisten oder ist es eine Person?
Grundsätzlich kann ich von allem inspiriert werden, bevorzugt dann, wenn ich nicht damit rechne – und weit und breit kein Stift zur Hand ist. ;) Zu mir selbst finde ich am besten in der Natur, fernab von Menschen, wenn ich mit meinem Hund querfeldein laufe, und auch dort wartet dann überall Inspiration. Und das gilt, auch wenn das wie ein Gegensatz klingt, auch für bestimmte Städte. Berlin, Paris, Rom, New York – und so viele andere, in denen es einfach unmöglich ist, nicht inspiriert zu werden, wenn man durch ihre Straßen läuft, und die gleichzeitig so eindringlich als Spiegel fungieren, dass sie mich meine innere Stimme sehr deutlich hören lassen.

- Was machst Du nach dem du ein Buch fertig geschrieben hast? Stürzt Du dich direkt ins nächste Schreibabenteuer?
Meist ist das so, ja. Ich versuche allerdings, zumindest für eine kurze Weile die Gedanken treiben zu lassen, um Abschied von einer beendeten Geschichte zu nehmen und mich dann mit ganzer Kraft auf eine neue einlassen zu können.

- Hast du eine Neues Projekt das du uns schon verraten kannst?
Ja, gerade schreibe ich an einer neuen Geschichte, aber leider darf ich dazu noch beinahe gar nichts verraten. Außer vielleicht, dass sie wieder im Genre der Phantastik anzusiedeln ist. :)
- Wie wichtig sind Dir Rezensionen? Wie sehr nimmst Du dir Kritik zu Herzen?
Für die Kritik meiner Testleser und Lektoren bin ich sehr dankbar, da sie mir hilft, mich zu verbessern und meine Geschichten so zu erzählen, wie sie es verdienen. Wie ich mit Kritik von außen, also sozusagen von Fremden, umgehe, kommt auf die Kritik an. Wichtig ist mir, wer mich kritisiert, d.h. ich frage mich immer zuerst, was denjenigen dazu befähigt, die Kritik zu üben, was ihn also gewissermaßen für mich zu einer Autorität macht. Wenn ich die Kritik dann als gerechtfertigt ansehe, versuche ich, mich zu verbessern. Mitunter werden persönliche Meinungen geäußert, die der meinen widersprechen – aber das empfinde ich nicht als Kritik, denn jeder hat das Recht, sich seine Meinung zu bilden und sie zu vertreten, und nicht jedem muss gefallen, was oder wie ich schreibe. Wenn allerdings oberflächlich gelesen wurde oder andere Motive hinter einer Kritik stecken, die mit dem eigentlichen Text erst in zweiter Linie etwas zu tun haben, dann ist die Kritik für mich nicht ernstzunehmen. In dem Fall sagt die Rezension oft mehr über den Rezensenten aus als über das Buch. Die Kritik hat sich damit selbst disqualifiziert und landet in meiner – ich zitiere Ralf Isau – „mentale[n] Sondermülltonne“.

- Was ist bis jetzt der Schönste Moment in Deiner bisherigen Zeit als Autorin gewesen?
Das ist jedes Mal wieder der Augenblick, in dem eine mir noch unbekannte Figur in meinen Gedanken den Kopf hebt und mir ihren Namen nennt. Der Moment, in dem sie zu leben beginnt und mich mitnimmt auf ihr Abenteuer. Mit absolut nichts ist das vergleichbar.

- In welchem Buch würdest du gerne mal die Hauptrolle spielen? Wer wärst du da?
Spontan würde ich antworten: Ich wäre gern Scout aus „Wer die Nachtigall stört“. Zum einen, weil es seit meiner Kindheit eines meiner Lieblingsbücher ist und es wunderbar sein muss, die Atmosphäre dieser Geschichte buchstäblich atmen zu können. Zum anderen, weil ich gern mit Jem und Dill herumtoben und Atticus begegnen würde ... und ich würde Boo Radley heimlich eine blaue Blume ins Astloch legen, die jeden Zement zerbrechen würde.

- Hast du ein Lieblings Buch oder Autor?
Abgesehen von „Wer die Nachtigall stört“ steht „Der Spiegel im Spiegel“ von Michael Ende seit langer Zeit ganz weit oben auf meiner Liste. Und natürlich gibt es auch viele andere Autoren, die ich sehr schätze, wie zum Beispiel Bukowski, Goethe oder Neil Gaiman. Aber diese Liste ist gänzlich unvollständig, denn es gibt noch so viele weitere wirklich großartige Schriftsteller und Schriftstellerinnen, und mit jeder neuen Zeile, die ich lese, haben sie die Chance, in die Riege meiner Lieblingsautoren aufzusteigen.

- Was würdest du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?
Immer auf die eigene Stimme vertrauen, sich bewusst machen, dass es die Geschichten sind, die zählen, und dass nur wir sie so erzählen können, wie sie es verdienen – wir, zu denen sie gekommen sind.

Vielen lieben Dank das Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast
Ich bedanke mich. :)

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