Montag, 28. September 2015

Pea Jung Neuerscheinung

CLARA – Finstere Vergangenheit

Es ist Anfang Februar. Mein Geburtstag steht vor der Tür. Ich bin im Cafè beschäftigt. Jetzt am Nachmittag ist es ruhiger und wir zocken gerade eine Runde Kniffel. Albert ist auch dabei.
Mein Handy vibriert in einer Tour in meiner Hosentasche. Eigentlich finde ich es nicht in Ordnung, während der Arbeitszeit private Telefonate zu führen. Das geht meiner Meinung nach einfach nicht. Aber weil das Ding keine Ruhe gibt, sage ich, ich müsste auf die Toilette, und entschuldige mich kurz. Sobald ich mich im Waschraum eingeschlossen habe, sehe ich nach, wer mich ständig zu erreichen versucht. Zu meinem Erstaunen ist es Flo, der sich nicht davon abbringen lässt, mich im Minutentakt anzurufen. Von ihm habe ich wirklich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört. Ein Wunder, dass ich seine Nummer überhaupt noch in meinem Handy eingespeichert habe. Nach kurzem Zögern rufe ich ihn an. Als er abhebt, höre ich nur lautes Schluchzen.
»Flo? Bist du das?«
»Rob hatte einen Unfall!«, schnieft er entsetzlich laut.
»Was ist passiert?«
»Clara, du musst sofort kommen! Sofort! Hörst du?«, schreit er.
So, da ist er wieder, der Zeitpunkt: Handeln oder Überlegen? Ich entscheide mich wie fast immer.
»Ich komme«, antworte ich einfach.
Flo sagt: »Ich habe dir schon einen Flug gebucht.«
Er nennt mir die Flugdaten und ich stelle fest, dass ich mich beeilen muss und zwar sehr.
Das Gespräch mit meiner Chefin verläuft kurz. Sie zeigt Verständnis für meine Situation und ich nehme mir einfach kurzfristig Urlaub. Natürlich kann ich ihr nicht direkt erklären, warum ich sofort nach London muss, aber sie versteht, dass ich zu meinem Ex-Freund muss, weil dieser einen Unfall hatte.
Mir bleibt nicht einmal mehr die Zeit, zurück zur Villa zu fahren, um etwas zu packen. Mit nichts weiter als meiner überdimensionalen Handtasche, die alles beinhaltet, was Frau so braucht oder eben nicht braucht, fahre ich mit meinem grünen »Leihwagen« direkt zum Flughafen. Immer wieder versuche ich Balthasar anzurufen, auf allen Nummern, die mir bekannt sind, aber ich erreiche ihn nicht. Sogar bei Frau Stefani hinterlasse ich eine Nachricht, dass er mich dringend zurückrufen soll, aber sie weiß auch nicht, wo er gerade ist.
Von London erwähne ich lieber nichts. Ich möchte ihm das persönlich mitteilen, da ich nicht weiß, wie er reagiert, wenn ich berichte, dass ich zu Robert fliege.
Kurz bevor ich in den Flieger steige und mein Handy ausschalte, spreche ich ihm eine Nachricht auf seine Mailbox: »Balthasar, wenn du das hörst, dann sitze ich schon im Flieger nach London. Wo bist du? Ich versuche, dich schon den ganzen Nachmittag zu erreichen. Robert hatte einen Unfall und Flo hat mich gebeten, nach London zu kommen. Ich muss ihm helfen, verstehst du? Ich melde mich wieder. Sei bitte nicht sauer.«
Bei der Kontrolle muss ich den gesamten Inhalt meiner Handtasche ausleeren. Ich muss sagen, da kommen Sachen zum Vorschein, an die ich mich gar nicht mehr erinnern kann. Sogar ein Taschenrechner ist in meiner Handtasche, ein Werbegeschenk meiner Bank. Die tun ja so, als wäre mein Konto ständig überzogen und ich müsste den Sollzins täglich ausrechnen. Natürlich kullern auch ein paar Tampons auf den Tisch, weil ich jeden Moment mit meiner Periode rechne. Dann findet sich noch ein ganzer Haufen Einkaufszettel sowie diverse Quittungen. Mitten darunter liegt meine Antibabypille. Schon etwas peinlich! Von einigen Dingen muss ich mich bedauerlicherweise trennen. So wandert zum Beispiel mein Parfum in den großen Behälter der Dinge, die man nicht mit ins Flugzeug nehmen darf. Ich hätte meine Handtasche als Gepäck aufgeben sollen, doch dafür war keine Zeit mehr.
Letztendlich sitze ich dann aber doch im Flieger und mit einem ganz unguten Bauchgefühl drückt es mich in den Sitz, als das Flugzeug über die Startbahn rast.
Als wir unsere Reiseflughöhe erreicht haben, wie der Kapitän mitteilt, schaue ich aus dem Fenster. Die Städte und Felder sehen von hier oben so kein aus. Kaum zu glauben, dass dort unten überall Menschen sind, die miteinander lachen oder sich streiten. Balthasar und ich haben uns heute Morgen so friedlich voneinander verabschiedet. Alles war in bester Ordnung und ich spüre förmlich das Gewitter, das über unserer Beziehung aufzieht, weil ich zu meinem Ex-Freund fliege, ohne es vorher mit Balthasar besprochen zu haben.

436 Seiten
ISBN: 978-3-7386-3490-7
Taschenbuch: 13,99 €
eBook: 3,49 €

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Kommentare:

  1. Guten Morgen :-)
    Da bin ich doch gerne mit dabei
    Danke für die tollen Gewinnspiele :-)

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  2. Ohhhhh wow,

    Ich würde auch gerne beim Gewinnspiel mit machen 😍

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